Wien -
Im Lenkrad rappelt ein Eigenleben, es will die Richtung vorgeben. Der Spurhalteassistent im neuen Honda Accord ist nur eine Grenzpunkt-Verschiebung von vielen, mit denen die Japaner den Wagen noch attraktiver machen wollen. Wir haben uns den „Tourer“ genannten Kombi mit 150-PS-Dieselmotor zum Test vorgenommen.
Breiter und geduckter
Der neue Accord geht jetzt schon in die achte Modellgeneration. Das erste Modell kam vor 30 Jahren auf den Markt und existiert damit halb so lang wie die Marke Honda selbst. Äußerlich musste das frische Modell nur eine dezente Maniküre über sich ergehen lassen. Dem Zeitgeist entsprechend fährt der Wagen jetzt in etwas sportlicherem Look vor: fünf Zentimeter niedriger als bisher kommen bei ihm in der Breite aber acht Zentimeter hinzu.
Es lebe der Kombi
Das Erstaunliche: Der Accord wächst nicht in der Länge. Der Heckbereich wurde etwas weicher gestaltet, um dem gefühlten Wunsch nach Lifestyle-Kombis entgegen zu kommen. Mit maximal 1.252 Liter Ladevolumen gewinnt der Wagen keinen Blumentopf, bietet aber halt mehr Stauraum als die Limousine. Der aktuell noch verkaufte Vorgänger des neuen Accord bildete eine Anomalie im Diesel-Kombi-Reich Deutschland: 64 Prozent der Modelle fuhren als Limousine vom Händler-Hof und nur 32 Prozent der Fahrzeuge hatten einen Diesel unter der Haube. Aus Honda-Sicht scheint dies eine gewaltige Schieflage zu sein, die es auch mit Design zu bekämpfen gilt.
Orthopädischer Strumpf
In der Kabine hat sich Honda ein wenig an den Oberflächen vergriffen. Insbesondere das Armaturenbrett kommt jetzt mit einem leichten Softtouch daher, wirkt aber wie aus einem schwarzen Styroporblock herausgeschnitten. Besonders an der Mittelkonsole macht sich aber auch noch kratzempfindliches Hartplastik breit, was den amerikanischen Kunden nicht weiter stört, in Europa aber nicht unbedingt positiv auffällt. Und die Sonnenblenden sind im Außenbereich labberig weich, wie wir es von diversen Chrysler-Modellen kennen. Ihr beiger Stoffüberzug wirkt wie ein orthopädischer Strumpf. Die Sitze sind hingegen vom Feinsten: mit gutem Seitenhalt, stützend bequem und trotzdem sportlich verbinden sie die Insassen mit dem Fahrzeug. Apropos Verbinden: Das Alpine-Navi kann jetzt nicht mehr über einen Touchscreen bedient werden. Da der Bildschirm weit weg vom Fahrer platziert ist, wird jetzt über einen großen Kombi-Knopf in die Navi-Steuerung eingegriffen.
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